Tee zum Essen zelebrieren, die Asiaten machen es uns vor

Im Jahre 273 v.Chr. soll es gewesen sein, jedenfalls einer der vielen Legenden nach, die sich um die Erfindung des Tees ranken, als einem chinesischen Kaiser von einem wohlmeinenden Wind einige Blätter des Teebaums in sein gerade abgekochtes Trinkwasser geweht wurden.


Und als der Kaiser das zart gefärbte Wasser kostete, und den guten Geschmack bemerkte, den die Teeblätter ihm gegeben hatten, und seine erfrischende Wirkung befand er, dass dieses Getränk wohl der Gesundheit sehr dienlich sein müsse und seinem Hofstaat und den Untertanen zum Genuss anzuraten sei. Damit war der Tee erfunden. Soweit zumindest die Legende.

Tatsächlich aber ist auch heute noch in Asien Tee das am häufigsten zubereitete Getränk, selbst im ärmsten Haushalt finden sich immer ein paar Teeblätter. In Tibet wird der fast ausgetrunkene Tee aus der traditionellen Teeschale mit gemahlenen Getreidekörnern zu einem Brei vermischt, und diese Tsampa ist mit einigem Abstand das tibetische Hauptnahrungsmittel. Auch die Inder wissen schon Jahrtausende um die wohltuende Wirkung des Tees - würde man zur scharfen indischen Küche Wasser oder eisgekühlte Getränke servieren, wären die Gerichte wohl kaum mehr ohne unerträgliches Brennen genießbar - der heiße, starke Tee mildert jedoch den brennenden Geschmack der Gerichte und macht sie - trotz ihrer Schärfe - besonders bekömmlich.

In unserer europäischen Küche hat der Tee seinen Platz bisher nur als Frühstücks- und Wintergetränk gefunden, fast gänzlich verdrängt vom üblichen Kaffee. Die einzige Ausnahme bilden hier die britischen Inseln - England war durch die Kolonisierung Indiens eines der ersten Länder, in denen der Tee weite Verbreitung fand. Das ist bis heute so geblieben, unzählige Sorten sind im Land erhältlich, und Teepausen sowie Teeautomaten sind ein Standard in England. Erstaunlicherweise nur die Iren trinken noch mehr und öfter Tee als die Engländer - böse Zungen behaupten zwar, das sei nur deswegen, weil man Guinness einfach nicht warm machen kann - aber das ist wohl eher als bösartige Verleumdung von Nicht-Iren zu sehen.
Anders als in asiatischen Ländern der unfermentierte Grüntee sind in Europa praktisch ausschließlich die fermentierten Teesorten wie etwa Darjeeling oder Ceylon verbreitet, und gerade diese fördern auch besonders die Bekömmlichkeit und Verträglichkeit von vorangegangenen Mahlzeiten. Der in England obligatorische Tee nach dem Essen ist für Gesundheit und Wohlbefinden auch ganz sicher vorteilhafter als der bei uns übliche Kaffee. Nun: die Gründe für britischen Sitten waren auch noch nie ganz unweise, und das mag jeder bestätigen, der es einmal ausprobiert hat.